Die satellite Story

Michael
19.02.2018 635 5:36 min

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und neigt dazu, Dinge als gegeben hinzunehmen. Das ist auch gut so, denn wenn man sich dauernd fragt „Warum eigentlich?“ kommt man ja auch zu nichts. Zum Glück gibt es aber Menschen, die sich doch mal was fragen. Und satellite ist die Antwort auf so eine Frage: „Warum ist meine Handynummer eigentlich immer an eine SIM-Karte gebunden? Und was könnte ich machen, wenn das nicht so wäre??“.

ALLER ANFANG IST SCHWER

Thilo Salmon, sipgate

 

Tatsächlich ist es acht Jahre her, dass sich Thilo Salmon diese Frage gestellt hat, die ihn seither auch nicht mehr losgelassen hat. Als einer der beiden Gründer von sipgate stellt er sich aber nicht nur solche Fragen, sondern hat auch die Möglichkeiten sie zu beantworten. Dass dafür ein sehr langer Atem notwendig sein würde wusste er allerdings nicht … doch der Reihe nach: Der erste Schritt zur Liberalisierung der Handynummer war sipgate one. Damit konnte man Anrufe auf eine Handynummer kostenlos zu beliebigen anderen Anschlüssen weiterleiten lassen. Da wir damals noch keine eigenen Handynummern vergeben konnten, haben wir Nummern mit der Vorwahl 01570 von Telogic gemietet.

Das Interesse von Kunden war da, doch gab es von Anfang an kräftigen Gegenwind der etablierten Telekommunikationsanbieter. Die sehen in einem virtuellen Mobilfunkprodukt wie sipgate one nämlich eine Gefahr für ihre Geschäftsmodelle. Leider können sie diese “Gefahr” sehr effektiv behindern, indem sie zum Beispiel deren Erreichbarkeit aus dem eigenen Netz erschweren. Was sie im Fall von sipgate one auch getan haben. Aus diesem und anderen Gründen mussten wir sipgate one Anfang 2013 einstellen. Dazu gibt es übrigens auch einen lesenswerten Blogartikel von Thilo.

JETZT ERST RECHT

Unabhängig von sipgate one hatten wir uns bereits bemüht, selbst als Mobilfunkanbieter auf den Markt zu kommen. Mit eigenen Nummern und eigenem Netz wollten wir uns unabhängig von Firmen wie Telogic machen. Dass dies nicht leicht würde war klar, doch die heftigen Blockaden von der BNetzA und den anderen Providern haben uns dennoch überrascht.

Zuerst haben wir gegen die BNetzA auf die Zuteilung von IMSIs klagen müssen. Als wir dann MVNO (Mobile Virtual Network Provider) waren, hatten wir endlich eine eigene Nummerngasse mit der Vorwahl 01579 – diese war aber aus den Netzen der anderen Provider nicht erreichbar. Es waren zwei Jahre und diverse Klagen notwendig, um dies zu ändern. Ach ja, und die gegenseitige Portierung von Nummern wollten sie erst möglich machen, wenn unsere Systeme ausreichend getestet sind … es gab aber keine Bereitschaft diese Tests mit uns durchzuführen. Kafka hätte seine wahre Freude dran gehabt Mobilfunkanbieter in Deutschland zu werden.

DIE WENDE UND DER BEGINN VON ETWAS NEUEM

Schlußendlich haben wir uns durchgesetzt und sipgate ist seit Ende 2013 Mobilfunkanbieter mit uneingeschränkt erreichbaren Nummern, die auch portiert werden können. Wir integrieren Mobilfunk in unserer Cloud-Telefonanlage sipgate team und bieten mit simquadrat einen Handytarif für Privatkunden an. Für beides braucht man aber die SIM-Karte von sipgate. Was wurde also aus der Idee, die Handynummer von der SIM-Karte zu trennen?

Wir haben nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet und der ist jetzt! Von der BNetzA gab es grünes Licht, aber auch eine Bedingung: Wir mussten eine eigenständige Telefongesellschaft für satellite gründen. Und obwohl wir ja wussten worauf wir uns da einlassen, haben wir genau dies getan. Jetzt sind wir der einzige Anbieter in Deutschland, der eine Handynummer unabhängig von der SIM-Karte anbieten kann.

Schnell hat sich dann ein motiviertes Team zusammengefunden, das satellite bauen konnte und dann allen Menschen erklären sollte, warum man seine Handynummer von der SIM-Karte trennen will. Mehr war doch nicht nötig … hofften wir. Aber anders als bei unserer ersten Mobilfunkgesellschaft wollte die Telekom diesmal nicht die anderen Provider mit unserer neuen Gesellschaft zusammenschalten (begleitender Artikel bei Golem.de). Die neue Vorwahl 015678 wäre also nur aus dem Telekom-Netz erreichbar (denn dazu ist die Telekom verpflichtet), aber Kunden der anderen Provider können uns nicht anrufen. Gespräche von satellite würden zwar zugestellt, aber das reicht uns natürlich nicht. Also wieder mal die Ärmel hochkrempeln und mit allen Telefongesellschaften individuelle Verträge abschließen. Dabei ist es ausnahmsweise mal ein Vorteil, dass der Mobilfunkmarkt in Deutschland von nur drei Firmen beherrscht wird. Mittlerweile sind wir mit der Telekom, Telefónica und Vodafone verbunden und haben faktisch 100% Mobilfunkerreichbarkeit in Deutschland. Es fehlen zwar noch einige Festnetzanbieter und eine umfassende Lösung für die internationale Erreichbarkeit, aber wir sehen das Licht am Ende des Tunnels.

 

 

WOFÜR TUN WIR DAS ALLES?

Ja, wofür eigentlich der ganze Streß :) Zum Teil ist die Antwort ähnlich wie bei der Frage warum man auf dem Mount Everest klettert. Weil wir es können! Der deutliche wichtigere Grund lautet aber: Es ist Zeit. Beim Festnetz ist der Wechsel zu VoIP im vollen Gange und mit dem Start von 5G wird auch der Mobilfunk komplett IP-basiert. Tschüss ISDN, Tschüss GSM und Hallo Zukunft. Aber: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Mobilfunkanbieter in Deutschland wenig Interesse haben, technische Innovationen umzusetzen. Stattdessen “optimieren” sie viel lieber die Tarifschraube oder bündeln Leistungen wie Rufnummer, Erreichbarkeit und Flexibilität, um Kunden an sich zu binden.

Für uns ist das die Chance, mit satellite früh zu starten und diejenigen zu begeistern, die mehr wollen als günstigere Tarife und automatisch alle zwei Jahre ein neues Handy. Mit satellite haben wir die Möglichkeit nahezu alles umzusetzen, was technisch möglich ist, und das ist eine Menge. Was genau das am Ende sein wird, wissen wir nicht … aber genau darauf haben wir Lust und du hoffentlich auch.

satellite ist kein Spaßprojekt auch wenn es Spaß macht. Wir meinen das ernst und arbeiten seit 2016 in Vollzeit daran. Wir haben uns quasi als Start-Up innerhalb von sipgate gegründet und sind komplett autark, können aber auf alle Ressourcen und die Erfahrung von sipgate zugreifen. Unsere Nutzer sind kritisch, aber begeistert und scheinen sich auch zu fragen: „Warum eigentlich nicht?“.

635 Kommentare


Evgen Grebenyuk:

Hallo zusammen,
mit steigender Virtualisierung, bin ich auf die Idee gekommen mich von meinem alten smartphone zu verabschieden und nur noch Android 7 mithilfe von Bluestacks zu nutzen (da alles was ich brauche darauf sogar flüssiger läuft als auf meinem Handy, zudem ist es praktischer).
Der einzige Nachteil: Mit Bluestacks ist es nicht möglich zu telefonieren. Somit beschränken sich die Möglichkeiten für Telefonie auf WhatsApp (wovon ich nicht sonderlich begeistert bin)

Und genau da bin ich auf euren Super Service aufmerksam geworden! Warum nicht aus Bluestacks ein vollwertiges Android machen mit Eurer Hilfe?
Leider klappt das im Moment noch nicht so ganz :( .
Gerne würde ich mich über Unterstützung freuen, auch mit Hinblick auf die zunehmende Virtualisierung (WSL, Microsofts Pläne zu WSL Android Implentation).

Gibt es vielleicht bestimmte Dienste die ich überprüfen kann, die für die Ausführung von satellite unabdinglich sind? Soll ich Ihnen ein Protokoll (TCPDUMP, IPTABLES?) senden?
Es würde mich enorm freuen, satellite auch auf einem virtuellen System betreiben zu können, da ich ja auch beruflich sowieso den ganzen Tag am Rechner bin.

Vielen Dank.

antworten

    Jan:

    Aktuell konzentrieren wir uns in unserer Entwicklung noch voll auf Handys und optimieren die App für iOS und Android-Smartphones. Deswegen können wir dir leider nicht zu deinem Anliegen rund um Bluestacks helfen, sorry. :/

    Vielleicht lohnt sich für dich aber ein Blick auf unser Schwesterprodukt sipgate basic. Wenn du dich dort registriert, bekommst du eine nagelneue Ortsrufnummer und die SIP-Zugangsdaten zu dieser Nummer. Mit denen kannst du dich dann in jedem beliebigen Softphone – also auch am Rechner – einloggen und lostelefonieren. Hier findest du nochmal mehr Infos: https://www.sipgatebasic.de/

catharina:

Hallo, hammer Projekt! Entweder bin ich zu blöd oder dass ich noch nicht verifiziert bin ist der Grund, aber ich meine Voicemails in der Inbox nicht abspielen.

antworten

    Jan:

    Kannst du uns mal mehr Informationen per Mail an help@satellite.me zuschicken: Welches Smartphone nutzt du? Welche Betriebssystem-Version ist darauf installiert? Bewegt sich beim Play-Button in der Inbox die Abspielposition? Bist du im WLAN oder mobilen Datennetz unterwegs?

Katharina Herold:

Meine Satellite App verweist seit heute auf die Sippgate Seite, eine Anmeldung /Passwortrücksetzung ist nicht möglich. Bitte Rückruf , da Erreichbarkeit noch möglich ist

antworten

    Jan:

    Schreib uns gerne mal an help@satellite.me und schick uns direkt mal deine satellite Nummer mit. Dann können wir mal prüfen, warum die Mail zum Zurücksetzen des Passworts bei dir nicht ankommt.

Serena:

Hallo,

wird irgendwann auch die Schweiz als Land dazu kommen, in das man mit Satellite telefonieren kann?

antworten

Werner:

Wenn ich mal in die Schweiz in die Schweizer Netze anrufen will oder muss nutze ich dazu die Simquadrat Simkarte 12,9 Cent je Minute Festnetz, 14,9 Cent je Minute Mobilfunk. Ich könnte dazu auch Sipgate Basic, beispielsweise mit der Groundwire Voip App, auf dem Smartphone nutzen, 2,4 Cent je Minute in das Schweizer Festnetz bzw. 14,9 Cent in die Schweizer Mobilfunk Netze. Für gelegentliche Anrufe in Schweizer Netze dürfte das eine Alternative sein meines Erachtens.

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